Bereits vor einiger Zeit hatte ich die Idee, auf meinem Blog ab und an Leute aus meinem online-Leben und meinem beruflichen Umfeld zu interviewen. Zum einen ist ein gegenseitiges Featuren ohnehin sinnvoll, zum anderen kann ich das Ganze zum Anlass nehmen, um mich mit der Zeit wirklich bei allen Leuten, mit denen ich etwas zu tun habe, wieder einmal zu melden. Wer mich kennt, der weiß wie schwer es mir fällt regelmäßig Kontakt zu halten. An dieser Stelle einen Gruß an alle bei denen ich mich schon länger nicht gemeldet habe, ist nicht böse gemeint – Ihr wisst ja nun, was auf euch zu kommt
Die “Expertenrunde” wird so ablaufen, dass ich allen Interviewten eine Zeit lang die selben Fragen stelle, um diese durch verschiedene Personen auch aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten zu können. Über die Regelmäßigkeit bin ich mir selbst noch nicht so bewusst, wir werden sehen. Am Ende eines jeden Interviews, werde ich in tl;dr-Manier versuchen das Interview in einem möglichst kurzen und prägnanten Abatz zusammenzufassen.
Als ersten Gast habe ich mir Nicolas Sacotte, meinen Co-Veranstalter des SEOKarneval, zur Brust genommen und mit meinem fragen.txt konfrontiert. Das Ergebnis könnt Ihr sehen…
Nicolas, wer bist Du? Was machst Du?
Mein Name ist Nicolas Sacotte, ich bin Gründer und Geschäftsführer der SEO Agentur activetraffic.de. Nebenbei betreiben wir unter anderem den seoblog.net und die suchmaschinen-community.de, die wir vor wenigen Wochen übernommen und gerelaunched haben. Ein neues Projekt, das wir vor wenigen Wochen an den Start gebracht haben ist infografiken.com.
Wie kamst Du zu dem, was Du heute beruflich tust?
Ich habe immer das gemacht, was mir am meisten Spaß bereitet hat! Während dem BWL-Studium habe ich nebenbei ein bisschen Geld mit der Erstellung von Webseiten verdient, weil ich Lust drauf hatte. Dann hatten die damaligen Kunden ihre neue Webseite aber natürlich so gut wie keine Besucher. Das war im Prinzip der Startschuss, weil ich mich plötzlich auch mit Onlinemarketing beschäftigen musste.
Damals (1998) gab es nicht wirklich viele gute Trafficquellen und qualitativ hochwertiger Einkauf war auch alles andere als einfach. Von Tracking ganz zu schweigen! AdWords gab es noch nicht, Print war viel zu teuer und noch schlechter zu tracken, TKPs waren exorbitant hoch.
Da blieb dann nur noch SEO als Trafficlieferant. Und damals war das alles ja noch mehr als einfach, wenn man diese Disziplin mit der aktuellen Situation vergleicht. Keys in den title, in die description, 300 Wörter Content und eine handvoll Keywordlinks drauf… Fertig war die Laube!
Was waren die größten Fehler die Du am Anfang begangen hast?
Uh, da gab es sicher einige. Wobei ich nicht sagen würde, dass die Fehler schlecht waren! Im jeweiligen Moment sicher ärgerlich, aber die Learnings daraus waren essentiell wichtig!
Ein Fehler war sicher die fehlende Fokussierung auf SEO, weil zunächst eben das ganze Webdesign-Thema Schwerpunkt meiner Tätigkeit war. SEO war in den Anfängen immer eher der Upseller in meiner damaligen Agentur niconsulting.de.
Ein Fehler war vielleicht auch, die Firma recht lange eigenfinanziert als oneman-Show geführt zu haben. Das hat viele Vorteile, bremst aber auch das Wachstum und ist extrem anstrengend. Aber auch das sehe ich mittlerweile eher als Vorteil, weil ich in dieser Zeit extrem viel für mich selber gelernt habe, das ich jetzt mit activetraffic.de besser mache oder weil ich Probleme ruhiger angehe.
Ich glaube jeder muss Fehler machen um zu wachsen. Selbst mit den ganzen „Fehlern“, die mir passiert sind würde ich behaupten alles richtig gemacht zu haben, sonst wäre ich nicht, wo ich jetzt bin.
Was ist das wichtigste um online erfolgreich Projekte zu betreiben?
Der Plan! Auch eines der zahlreichen Learnings.
Außerdem der Weitblick, gerade in Zeiten wie diesen, ist der Weitblick mehr als wichtig. SEO ist nicht das Allheilmittel aller Trafficprobleme. SocialMedia, Kooperationen, Partnerprogramme, Display etc. sind alles Dinge die man im Grund verstehen und überblicken muss, um erfolgreiche Projekte zu starten. Die Mischung macht´s.
Einer der wichtigsten Faktoren sind aber persönliche Kontakte bzw. eine gute Vernetzung. Sicher ist auch immer eine Frage, ob man sich in einer Nische oder einem Massenmarkt bewegt. Ich weiß nicht, ob ich nochmal Lust habe, ein Kredit- bzw. Finanzprojekt zu starten! Das ist einfach zu anstrengend und zäh, man muss ein hohes Risiko eingehen und der Wettbewerb ist extrem hart.
Damit wären wir beim Erfolgsfaktor USP. Gerade im Netz ist es wichtig sich klar abzugrenzen, Neues zu schaffen und einzigartig zu sein. Google+ ist so ein Beispiel. Kein Mensch braucht im Prinzip so ein zweites Facebook. Und Pinterest ist ein Positivbeispiel, so etwas gab es davor nicht, es ist neu, einzigartig und leicht zu bedienen. Professionalität setze ich mal voraus für erfolgreiche Projekte. Damit meine ich auch ein gutes Team aus Spezialisten. Was bringt eine tolle Idee, wenn sie schlecht umgesetzt ist? Einer meiner Profs auf der Uni hat mal ein nettes Zitat dazu gehabt: „Wenn Du mit einem Flugzeug abheben willst, musst Du den Gashebel komplett durchziehen, Halbgas funktioniert nicht“. Und da ist was dran.
In neuen Projekten gibt es zahlreiche Variablen, die für Erfolg oder Mißerfolg verantwortlich sind. Einige davon kennt man im Vorfeld nur halbwegs oder auch gar nicht, sie entstehen im Projektverlauf. Mit den richtigen Mitarbeitern und einem Kapitalpolster kann man diese Variablen aussteuern und möglich Durststrecken überbrücken. Damit meine ich jetzt nicht kleine MFA-Seiten, sondern auch größere Projekte.
Wann klickst Du eine Webseite sofort wieder zu?
Ich klicke Webseiten recht schnell wieder weg, wenn sie meinen „Ansprüchen“ nicht genügen. Ich möchte nicht mit Werbung zugemüllt werden und muss die Informationen, die ich suche, schnell und am besten komprimiert zur Verfügung stellen. Ich habe wenig Zeit und damit auch keine Lust kilometerlange Texte zu lesen. Checkouts in Onlineshops sind auch so ein Thema. Ich gehöre da wohl zu den Schnellabspringern, wenn der Prozess zu lang und unübersichtlich ist.
Wie oft täglich/wöchentlich nutzt Du…
Google Plus = 1-2 mal täglich
Facebook = laufend, FB ist für mich eine Informationsquelle.
Twitter = laufend mit Unterstützung meiner Bots
Xing = selten bis gar nicht. Im Prinzip nur, wenn neue Kontaktanfragen da sind, auf die ich via Mail hingewiesen werde.
Pinterest = immer häufiger. Allerdings auch, weil wir Pinterest mit dem Projekt infografiken.com sehr stark für Seeding nutzen.
Wie siehst Du das Thema Facebook? Kann man es sich heute noch leisten nicht dort vertreten zu sein?
Ich denke das hängt so ein bisschen von der Branche und vom Umfeld ab. Im Bereich Onlinemarketing ist es schwer Facebook außen vor zu lassen, nicht nur aktiv sondern auch und gerade passiv als Informationsplattform. Einige Kollegen haben FB aber aus diversen Gründen auch schon den Rücken zugekehrt, weil sie entweder den doch nicht unerheblichen Zeitverlust kompensieren wollen, oder wie z.B. im Fall von Karl Kratz nicht mehr mit den Nutzungsrichtlinien konform gehen.
Wie siehst Du das Thema Google Plus? Wird in der Zukunft nur noch in Suchmaschinen gefunden, wer über ein lebendiges Google-Profil verifiziert ist?
Google+ ist und bleibt schwierig einzuschätzen. Google hat mit dem Brand an sich schon eine enorme Marktmacht, kann das nur Im Moment aus diversen Gründen nicht voll ausreizen.
Da fehlt wie schon erwähnt einfach die USP zu Facebook. Google+ ist aktuell eher ein Tummelplatz für IT, Onlinemarketing & Co. Alles themenaffine Menschen. Die Kassiererin von nebenan ist und wird bei Facebook bleiben. Es sei denn Google kommt mit irgendeinem unschlagbaren und einzigartigen Feature, das Facebook nicht hat und auch nicht nachbauen kann. Aber zurück zu Deiner Frage: Ein lebendiges Profil zu haben wird sicher einer von vielen Rankingfaktoren sein und das Gewicht wird sicher auch zunehmen. Aber Google weiß auch, dass es eben viele gute Webseiten gibt, die sich aus diversen Gründen nicht bei Google+ tummeln. Und Google kann und will sich glaube ich nicht leisten, dem User diesen Content vorzuenthalten. But who knows?…
„Menschen“ in Bedrängnis neigen zu unüberlegten Handlungen. Und Google gerät durch Dienste wie Facebook immer mehr in Bedrängnis. Wenn Facebook es endlich schaffen sollte eine saubere und intelligente Suche zu implementieren und auch die Facebook-Ads noch besser ausgesteuert werden, wird das für Google ein ernst zu nehmender Wettbewerber.
Wie oft und wozu nutzt du Twitter?
Ich nutze Twitter täglich. Schon beim Frühstück (zum Leidwesen meiner Frau) lese ich die Timeline und sondiere News. Gleiches Abends auch nach Feierabend. Twitter ist für mich eine tolle Informationsquelle. Eine gut ausgewählte Timeline hält mich mit ihren Tweets immer auf dem Laufenden.
Kaufst Du im Internet ein? Begründung?
Ja ich kaufe im Internet ein. Allerdings nur bestimmte Güter wie z.B. Klamotten, Technik etc. Ich werde sicher nie Kunde von „Lieferandoheld“ werden. Dazu kaufe ich Nahrungsmittel zu gerne selber ein. Am besten beim kleinen Laden um die Ecke, oder direkt vom Hersteller. Da achte ich auf Qualität und möchte vor allem die kleinen lokalen Anbieter auch damit unterstützen.
Wo siehst Du eCommerce in 10 Jahren?
Boah, sehr sehr schwierige Frage! Sehr abhängig von der jeweiligen Branche würde ich sagen. Es wird Güter geben, die man nur noch im Netz beziehen kann, andere wird man im Netz vielleicht gar nicht (mehr) bekommen. Einer der negativen Aspekte des Ecommerce ist meiner Meinung nach die wahnsinnige Beschleunigung bzw. Geschwindigkeit, die dieser Vertriebskanal mit sich bringt. Ob das auf Dauer gut geht, ist schwer zu sagen. Schon jetzt werden die Rufe nach „Entschleunigung“ größer und trotz des immensen Nutzens im Sinne von Zeitersparnis, werden sich viele wieder darauf besinnen, dass es vielleicht sogar einfach schön ist unter Leute zu gehen und mit der Backwarenverkäuferin zu quatschen. So richtig live, in Farbe, bewegt und stereo.
Aber vielleicht ist das auch nur einfach mein persönlicher Wunsch. Ich habe Bedenken, dass durch das Internet und die damit verbundene Anonymität eine noch nicht abzuschätzende gesellschaftliche Veränderung kommen wird, deren Anfänge wir jetzt schon bei unseren Kindern sehen können. Die hängen jetzt schon lieber vor dem Rechner auf Facebook rum, als mit Freunden auf dem Bolzplatz Leder zu treten.
Ich schweife ab, die Frage war ja rein auf eCommerce bezogen: ich denke da wird sich noch sehr viel tun. Soziale Empfehlungen spielen ja aktuell schon ein große Rolle, werden aber sicher anno 2022 noch viel mehr Gewicht in einer eCommerce-Strategie haben.
Das ganze Thema Voice-Search bzw. Voice-Navigation wird sicher das nächste große Ding und den Weg für eCommerce 2022 bereiten. Ich suche verbal und navigiere verbal durch Webshops. Auch der Bereich „Vergleiche“ wird dadurch noch umfangreicher werden. Sprachgesteuerte Preisvergleichsportale und dergleichen werden dann Standard sein. Alles wird sicher viel bewegter werden, Produktbilder sind dann passé, es wird nur noch 3-D Ansichten und animierte Produkte und Produktvideos in Shops zu sehen geben. Der Bereich „Haptik“ ist auch sehr interessant, denn das ist ja der große Unterschied bzw. USP den der offline Markt noch hat gegenüber dem Internet. Man kann die Dinge anfassen, fühlen, riechen und schmecken.
In 10 Jahren wird die Onlinewelt sicher auch dafür eine Lösung gefunden haben! Wir werden sehen. In diesem Fall ist die Antwort auf Deine Frage also wohl eher: 42
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Wer wird Fussball Europameister 2012?
Der, der die meisten Spiele gewinnt! Um ehrlich zu sein, keine Ahnung…. Der Party wegen würde ich mich aber natürlich freuen, wenn Deutschland das Rennen macht! Bisher läuft´s ja ganz gut für Nationalelf.
Ich danke Nicolas ganz herzlich für die Beantwortung der Fragen. Hier mein Fazit bzw. die Zusammenfassung…
tl;dr
Nicolas Sacotte ist einer der Betreiber der SEO-Agentur “active traffic” und betreibt online eigene Projekte, betreut aber auch Kunden-Webseiten. Nicolas ist ein old-Schooler, er kennt noch die Zeiten in denen der Traffic nicht unendlich war. Seine größten Fehler waren fehlende Fokkussierung & Boostrapping – seine Fehler waren jedoch gleichzeitig seine besten Learnings. SEO ist nicht das Allheilmittel und man sollte alle anderen Online-Marketing Themen ebenso überblicken und inbesondere einen guten Plan haben. Riesige Texte und komplizierte Checkouts veranlassen ihn Webseiten sehr sehr zügig wieder zu verlassen und ganz schnell zurück zu Facebook und Twitter zu gehen, wo er im Gegensatz zu Xing & Pinterest viel Zeit am Tag verbringt – schließlich kann man in der Om-Branche nicht darauf verzichten. Infografiken sind sein Ding. Google+ ist noch nicht sein Ding, was vielleicht daran liegt, dass er Google als “Mensch in Bedrängnis” sieht und G+ als “unüberlegte Handlung” wahrnimmt. Mal sehen ob er sich da nicht täuscht und ob seine Frau auch in 10 Jahren noch Twitter beim (nicht online erworbenen) Frühstück duldet – die Entschleunigung klopft nämlich schon an die Tür von Nico, was ihn auch dazu veranlasst daran zu zweifeln, dass eCommerce einmal allgegenwärtig sein wird. Nicht vergessen: 42.
In diesem Sinne…
Bildquelle CC BY-ND 2.0: HikingArtist.com
Schlagwörter: Expertenrunde, Facebook, Google, Herzblatt tl;dr, Pinterest, SEO, Social Media, Social-Networks, Strategie, Twitter














5 Kommentare
Cooles Interview, danke.
Bin gespannt auf die nächsten Interviewpartner und deren Antworten auf die teilweise sehr umfangreichen Fragen.
Ähm?
Allein das tl;dr macht diese Interview-Reihe lesenswert. Wobei es sich bei Nico natürlich lohnt alle Antworten zu lesen!
[...] Peak erreicht? Einige meiner eigenen Ansichten dazu habe ich übrigens schon vor einigen Tagen hier http://www.jinsiders.de/expertenrunde-12-fragen-an-nicolas-sacotte/2168 bei der Expertenrunde in Yannicks Blog aufgetischt! Cancel [...]